Dienstag, 7. Februar 2012

Die Idee - Ergänzung

Immer wieder werde ich darauf angesprochen, dass einerseits so viele Wiederholungen in den Gedichten sind. Knapper wär besser, meinen Viele. Andererseits sind die Geschichten so nett, aber da könnte man noch viel mehr hineinpacken.
Es "fehlt" den Lesern so manches. Und meine Autorenkollegen hätten viele gute Ideen zur Ausschmückung.

Ich glaube, hier zeigt sich ein wesentlicher Punkt, warum so viele Menschen Probleme mit Demenzkranken haben. Weil sie immer von der eigenen Warte ausgehen.
Auch hier noch immer, obwohl ich versucht habe, mein Projekt und seine Zielgruppe so gut als möglich zu erklären.

Umso länger diese Geschichten dauern, umso mehr beschrieben wird, umso weniger können die Dementen folgen! Sie hören ja nicht zu, in diesem Sinn. Also die Geschichte, die erzählt wird, ist dabei unerheblich.
Es geht um Worte, Begriffe, die etwas in den Hörern auslösen. Aber eben immer nur vereinzelte Worte. Dieses Wort löst einen Ablauf in ihnen aus. Aber es nützt nix, einen Ablauf zu beschreiben. Sie haben ihre eigenen Abläufe dafür.
Das ist ja die Schwierigkeit dabei, Demente zu verstehen ... wichtiger Bestandteil jedes Validationsprogramms.

Wie schon oft ganz deutlich geschrieben, ist es für mich sehr wichtig, dass Demenzkranke nicht wieder zu Kindern gemacht werden. Und gerade hier liegt ein wesentlicher Unterscheidungspunkt. Der für das Verständnis so unbedingt wichtig ist:

Kinder müssen erst lernen. Man kann ihnen etwas erzählen, das sie noch nicht kennen oder so noch nicht kennen, sie nehmen ihre Fantasie und bauen sich ein Filmchen. Umso mehr man erzählt, umso mehr können sie vielleicht dazu basteln. Sie lernen aus dem, was ihnen erzählt wird und aus ihrer Fantasie.

Bei Dementen gibt es keine Fantasie, sondern Erinnerung. Eigene Erinnerung!
Sie basteln keinen Film aus dem, was man ihnen erzählt, sondern aus dem was sie in sich finden.

Deshalb hat es keinen Sinn, ihnen Abläufe vorgeben zu wollen, Sie verwirren diese Menschen nur.

Begriffe müssen abgerufen und angesprochen werden und es muss ihnen Zeit gegeben werden, diese auch wirklich in sich zu finden und zuzuordnen. Umso mehr man darum baut, umso weniger können sie diese wichtigen Worte finden ...

Es ist also kein Regress ins Kinderstadium, sondern eine Entwicklung, die aus ihren Lebenserinnerungen abgerufen wird! Selbst wenn sie sich vermehrt an ihre Kindheit erinnern, dann ist der Prozess aber ihrem Alter und ihrer Krankheit entsprechend und nicht dem Kinderstadium! Deshalb muss man mit diesen Menschen anders umgehen als mit Kindern, darf sie nicht zurückstufen, und dadurch herabwürdigen!

Und unter diesen Gesichtspunkten schreibe ich diese Texte.

Ich wiederhole, nicht weil mir nichts anderes einfällt und ich schmücke meine Geschichten auch nicht deshalb nicht aus, weil mir die Fantasie fehlt oder ich keinen größeren Wortschatz habe, sondern weil dies das Besondere an diesen Texten sein muss. Sonst könnte ich ja auch einfach nette Kurzgeschichten aus früheren Zeiten oder Kurzlyrik mit Erinnerungspotential verfassen.

Feedback zu diesen Texten ist ausdrücklich erwünscht! Und gerne auch Kritik! Aber bitte die vorgenannten Punkte dabei zu berücksichtigen, Kürzungen in den Gedichten oder Ausschmücken der Geschichten anzuregen, sind kein hilfreicher Kritikpunkt.

Danke!

 

Kommentare:

  1. liebe lintschi,

    vielen dank für diese ergänzung hier. sie beantwortet mir eine frage, die ich an anderer stelle gestellt habe.
    und es ist mir ein anliegen, dir zu sagen, dass ich deine texte oft in mir wirken lasse - ich suche nichts, ich nehme an. so wie sie sind. und sein sollen. vor allem für die dementen.

    ein jeder von uns kann lernen daraus!

    und ich finde, du machst das alles toll.

    herzensliebe grüße,
    petra

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    1. liebe petra,

      es macht mir freude, wenn ich merke, dass diese texte auch "gesunde" menschen erreichen. das ist die schönste brücke, die man sich wünschen kann.

      und danke, dass du mich hier begleitest!
      herzliches auch für dich
      lintschi

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  2. Ich finde die Idee richtig gut Lintschi und wie Du sie umsetzt ist erst recht gut.
    Ich finde auch, dass Deine Texte nicht nur Deine Zielgruppe erreichen wird. Wenn man entspannt zuhört, jeder für sich, kann man ganz viel davon mitnehmen,jeder für sich.
    Hab ganz vielen Dank dafür.
    Lg
    Fini

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    1. liebe fini,
      das ist etwas sehr schönes, das du mir da sagst.
      ich freue mich so sehr, wenn diese kleinen - wenn auch zugegebenermaßen nicht sehr literarisch wertvollen - texte erinnerungen in allen menschen auslösen können.
      es ist wie ein brücke, finde ich. und das wäre halt das schönste!

      ich danke DIR und lg
      lintschi

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  3. Das freut mich, dich auch als Blogspot-Bloggerin zu finden. Leider hat mein Blog ja derzeit eine schöpferische Pause, aber sag niemals nie! LG
    Traude

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    1. hei traude, danke!
      aber wie du siehst, hier ist ja auch nichts neues mehr los.
      das projekt ist vorläufig abgeschlossen.
      aber wie du sagst - vielleicht gehts ja wieder einmal weiter.
      glg lintschi

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